CAQ-Module messerscharf kombiniert

Der Weg von der handschriftlichen Erfassung der Qualitätsdaten hin zu einem voll integrierten CAQ-System muss wohl durchdacht sein. Ein Hersteller von hochwertigen Messern und Küchengeräten suchte nach einer langfristigen Lösung, die mit den spezifischen Anforderungen im Unternehmen harmoniert. Seit 2008 setzt man bei Zwilling auf die modulare CAQ-Software von Babtec. 

Das berühmte Zwillingspaar aus der Klingenstadt Solingen ist eines der ältesten eingetragenen Markenzeichen der Welt und gilt als Gütesiegel für erstklassige Produktqualität. 1731 gegründet, ist die Zwilling J.A. Henckels AG einer der führenden Hersteller für Premiumartikel in den Bereichen Küche, Gedeckter Tisch und Beauty. 

Über die Jahrhunderte beliefert das Traditionsunternehmen exklusive Kunden wie den kaiserlichen Hof in Wien, Papst Benedikt XVI. und die First Class der Lufthansa. Kernkompetenz ist bis heute die Produktion qualitativ hochwertiger Messer. Weltweit sorgen rund 3.200 Mitarbeiter für einen Umsatz von 545 Mio. Euro (2012). Um den wachsenden Qualitätsansprüchen auf dem Weltmarkt gerecht zu werden und sich für die Zukunft zu wappnen, suchte man bei Zwilling einen Ersatz für die handschriftliche Dokumentation der Qualitätsdaten. Bereits vor Einführung einer Softwareunterstützung orientierte man sich im Qualitätsmanagement des Unternehmens an den hohen Standards der Automobilindustrie. Mit einem CAQ-System wollte man diesen Weg konsequent fortsetzen und von einer zeitgemäßen Lösung aus diesem Bereich weiter profitieren. 

Beim Auswahlverfahren des passenden Anbieters stellte man einige Ansprüche an das zukünftige System: Neben dem allgemeinen Wunsch, die Erfassung der Qualitätskennzahlen nach Fertigungsstufen zu ermöglichen, stand die detaillierte Fehleranalyse zur Reduzierung der Fehlleistungskosten im Fokus. Weiterhin wollte man eine flexible Lösung, die im Bedarfsfall auch mit Hilfe spezifischer Anpassungen auf die konkreten Bedürfnisse des Unternehmens hin zugeschnitten werden kann. Auf der Suche nach einem einheitlichen Vorgehen im Wertschöpfungsprozess und einem System mit hoher Prozessorientierung entschied man sich schließlich für die Lösung von Babtec, Wuppertal. Dank der einfach zu erlernenden Bedienung der Software ließ sich eine Schulung der CAQ­-Nutzer rasch realisieren: Am traditionsreichen Stammsitz in Solingen produziert Zwilling mit über 160 Mitarbeitern; 70 davon arbeiten heute täglich intensiv mit dem CAQ-­System BabtecQ.

CAQ-Module sollen Daten mit BDE und ERP austauschen

Eine besondere Herausforderung bei der Systemeinführung war das intern verwendete Auftragssystem. Hierbei handelt es sich um eine Art der Produktionssteuerung, wobei die Werker mit Hilfe eines Betriebsdatenerfassungs (BDE)­-Systems selbstständig melden, wenn sie eine Maschine umrüsten. Erst nachdem sie diesen Vorgang abgeschlossen haben, kann die Fertigung fortgesetzt werden – bis sich dieser Rundlauf wenige Tage später wiederholt. Während also die Produktionsplanung mittels des Enterprise Ressource Planning (ERP)­-Systems erfolgt, funktioniert die Steuerung im Rahmen der Betriebsdatenerfassung durch das BDE­-System.

An alle relevanten Systeme musste das Fertigungsmodul angeschlossen werden. Da die empfangenen BDE­Daten nur unzureichende Qualitäts-­ und Stammdaten beinhalten (nur der aktuell buchende Arbeitsplatz ist bekannt), ergänzt das CAQ-System die Logik mit Hilfe eines eigenen Algorithmus. So kann aus dem Arbeitsplatz, an dem der Werker seine BDE-Buchung durchführt, der dazugehörende Arbeitsgang abgeleitet und der jeweils notwendige Prüfplan abgerufen werden. Das CAQ­-System reagiert auf diese Weise auf Auftragserstellung, ­-deaktivierung, ­-reaktivierung und -­abschluss. Mit Hilfe einiger Anpassungen seitens des Projektleiters konnte gemeinsam mit Zwilling eine praktikable und funktionale Lösung gefunden werden, die mit den unternehmensspezifischen Besonderheiten harmoniert.

Auch im Wareneingang konnte das System durch spezielle Customizings für die unternehmensspezifischen Abläufe optimiert werden. Fehlerhafte Aufträge im Wareneingang beispielsweise werden entweder sofort oder auf Wunsch nachträglich als Fehlerprotokoll an Lieferanten gesendet. Dabei wird kein Report mit statischem Inhalt erstellt, sondern ein vom Benutzer individuell zusammengestellter. Der Anwender kann aus einer umfangreichen Liste von Textbausteinen auswählen, um so gezielt Prioritäten zu erkennen. So entscheidet der Report anhand des Länderkürzels des Empfängers über die verwendete Sprache der Textpassagen. Die elektronische Unterschrift und die Kontaktdaten des Erstellers werden dabei automatisch integriert. Hinzu kommt die Möglichkeit der fertigungsbegleitenden Überwachung von Fehlerhäufigkeiten und die detaillierte Fehleranalyse: Mit Hilfe der Software konnten die Fehlleistungen deutlich reduziert und die damit einhergehenden Kosten spürbar gesenkt werden.

Aufgrund des modularen Aufbaus konnte das CAQ­-System individuell an die Anforderungen des Markenherstellers angepasst werden. Aktuell ist es im Wareneingang, in nahezu der gesamten Fertigung und bei der Warenausgangskontrolle im Einsatz. Darüber hinaus sind die Module Prüfmittel­ und Reklamationsmanagement sowie APQP (Advanced Product Quality Planning) zur Qualitätsvorausplanung eingebunden. Auch die Projektplanung in der Entwicklungsabteilung erfolgt mittlerweile über dieses System.

Qualitätsdaten sind unternehmensweit verfügbar

Ein besonderer Vorteil der Software ist die Möglichkeit der zeitnahen Information über Fehlerschwerpunkte und die produktunabhängige Überwachung von Kennzahlen: Über einen Internet­-Browser sind relevante Informationen immer und überall dort verfügbar, wo sie gerade gebraucht werden. So trägt die Software unternehmensweit zur Unterstützung der Prozesse im Qualitätsmanagement bei. Aus CAQ­-Daten können auf einfachem Wege Managementinformationen generiert und im gesamten Unternehmen über das Intranet verteilt werden. Selbst definierte Anzeigeformate, beispielsweise für umfangreiche Auftragslisten, entlasten die Prüfer zusätzlich und sorgen für transparentere Informationen.

Grundsätzlich hat sich die CAQ-Lösung von Babtec als flexibles System bewährt: Ebenso wie das ERP­System konnten auch diverse Messmittel problemlos an das System angebunden werden. Da sich die Produktionsprozesse in den unterschiedlichen Werken von Zwilling nur marginal unterscheiden, möchte man langfristig an allen Standorten auf dasselbe CAQ-­System setzen. Aufgrund der positiven Erfahrungen am Solinger Stammsitz soll BabtecQ deshalb zukünftig auch an weiteren Standorten zum Einsatz kommen.

Der Autor

Christian Abke

Director Quality Management
ZWILLING J. A. Henckels AG

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