T, Q und M: Drei Buchstaben, die in Verbindung eine lange Geschichte, einen tiefen Sinn und große Relevanz in Gegenwart und Zukunft ergeben. Welche Philosophie hinter dem Begriff „Total Quality Management“ steckt, wie eine praxistaugliche Version dessen aussieht und welchen Ansporn es gibt, TQM erfolgreich im Unternehmen zu verankern, lesen Sie hier.

Was bedeutet Total Quality Management (TQM)?

Total Quality Management, kurz TQM, meint grundsätzlich ein umfassendes Qualitätsmanagement. TQM kann als eine Management-Strategie verstanden werden, die das gesamte Unternehmen und alle Mitarbeitenden einbezieht. Sie unterstützt Unternehmen dabei, aus Kundenanforderungen abgeleitete Qualitätsziele vorzugeben und zu erfüllen.

Warum aber ist es ratsam, mit einer solchen Methode die Erschaffung von Qualität zu fokussieren? Ganz einfach: Qualität ist keine stabile Größe. Um Qualität zu erschaffen, muss sich das Unternehmen darüber bewusst sein, worin der Kundennutzen besteht und zukünftig bestehen wird. Damit das gewährleistet ist, muss das Qualitätsziel kontinuierlich im Managementfokus stehen. Die Erreichung der Qualitätsziele führt zu Markterfolg. Durch TQM soll dadurch letztlich auch der Unternehmenserfolg durch höhere Produktivität, geringere Fehlleistungsaufwände und niedrigere Kosten gesteigert werden.

Kurz & knapp

Total

Umfassender Blick auf Qualität, der ausnahmslos alle Geschäftsbereiche, die Kundschaft und das gesamte Liefernetz einbezieht

Quality

Produktqualität, die sich aus der Qualität von Prozessen, Wertstoffen, Anlagen und der verrichteten Arbeit ergibt

Management

Qualität als Managementaufgabe, die eine entsprechende Unternehmenspolitik und darauf abgestimmte Ziele bewirkt

TQM ist kein Modell, sondern eine Philosophie

Sprechen wir von einer Management-Strategie, dann erwarten wir ein Modell, das uns sagt, wie wir vorgehen sollen. Doch genau das ist das Total Quality Management allein noch nicht. Es ist vielmehr eine Art Philosophie. Jede Philosophie steht und fällt mit denjenigen, die daran glauben und sie in ihrer Einstellung zu gewissen Themen mitschwingen lassen. Dieser Jemand war in Bezug auf TQM W. Edwards Deming, dessen Geschichte und Grundgedanken wir in einem unserer Blogartikel bereits aufgegriffen haben. Zwischen 1940 und 1980 erarbeitete er Prinzipien, die zuerst in Japan, dann in Amerika und schließlich auch in Europa Einzug hielten – seine Überlegungen sind die Basis für das heutige Total Quality Management.

Infografik zum Total Quality Management (TQM)

Laut der American Society for Quality besteht das TQM, von dem wir heute sprechen, aus acht Grundbausteinen:

  1. Kundenfokus
    Die Kundenzufriedenheit ist elementar und entscheidet über den Erfolg der TQM-Strategie.
  2. Mitarbeiter-Einbindung
    TQM bezieht alle Unternehmensbereiche mit ein, sodass jede:r Mitarbeiter:in an der fortlaufenden Optimierung mitwirkt.
  3. Prozessfokus
    Das Prozessdenken spielt im TQM eine wichtige Rolle: Strategien werden auf Grundlage des Feedbacks von internen und externen Kund:innen entwickelt.
  4. Integration
    Das TQM betrachtet alle kleinen Prozesse innerhalb eines Unternehmens und stellt sicher, dass diese in Einklang mit der Gesamtstrategie des Unternehmens stehen.
  5. Strategischer und systemischer Ansatz
    Um Qualität im Sinne des TQM als Kernkomponente des Unternehmenserfolges zu integrieren, muss entsprechend ein strategischer Plan erstellt werden.
  6. Fortlaufende Optimierung
    Die Prozesse sollten nie als abgeschlossen betrachtet werden, sondern einer fortlaufenden Optimierung unterliegen.
  7. Entscheidungsfindung auf Faktenbasis
    Der TQM-Strategie sollen Daten und Fakten zugrunde liegen, um wirksame Entscheidungen zu treffen.
  8. Kommunikation
    TQM steht in gewissem Maße immer auch mit einem Wandel in Verbindung, weshalb eine nachhaltige Kommunikation für den Erfolg entscheidend ist.

Wenn die TQM-Philosophie zum Modell wird: EFQM

Ein Modell, das sich an dem Grundgedanken des Total Quality Managements orientiert, ist das 1988 von der European Foundation for Quality Management (EFQM), einer Stiftung namhafter europäischer Industrieunternehmen, entwickelte EFQM-Modell für Business Excellence. Die aktuell gültige Version dessen stammt aus November 2019.

Das EFQM-Modell ist ein Werkzeug, um den Aufbau und die Weiterentwicklung eines umfassenden Managementsystems voranzutreiben. Es hilft Unternehmen dabei, eigene Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale zu erkennen. Für einzelne Hürden in den verschiedenen Phasen des Wandels bietet es Lösungsoptionen und Orientierung. Somit werden Fortschritte erzielt und die Leistung des Unternehmens verbessert. Ziel des Modells ist es, Unternehmen entsprechend des TQM-Gedankens agil auszurichten. Entstanden in der Zusammenarbeit mit Change-Management-Experten, Führungskräften, verschiedenen Organisationen und der Wissenschaft, lässt es sich heute problemlos von Unternehmen jeder Größe und jeder Branche verwenden.

Praxistauglich heißt nicht einfach

Das EFQM-Modell beschreibt den Weg, um den Gedanken des Total Quality Managements als Philosophie für die Unternehmensleitung zu etablieren. Nach dieser muss dann das gesamte Unternehmen ausgerichtet werden – woraus sich ein Wandel ergibt. Und zwar ein kultureller Wandel, der Mitarbeitenden durchaus schwerfallen kann. Denn wie wir wissen, ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Soll heißen: In Form des konkreten Modells wird die TQM-Philosophie zwar praxistauglicher, aber trotzdem stellt der Wandel eine große Herausforderung dar.

Das EFQM-Modell begleitet diesen Wandel und unterteilt ihn in die drei Hauptkriterien Ausrichtung, Realisierung und Ergebnisse. Diesen sind jeweils einzelne Unterkriterien zugeordnet, die im Verlaufe des Wandels berücksichtigt werden. Weitere Informationen zum EFQM-Modell finden Sie auf den Seiten der EFQM.

Ein Ansporn: Preisgekröntes TQM

Um Qualität als Wettbewerbsfaktor mehr in den Fokus zu rücken, werden inzwischen verschiedene Preise für Qualitätsmanagementsysteme verliehen. Neben dem seit 1951 in Japan verliehenem Deming Application Prize oder dem 1987 in Amerika eingeführten Malcom Baldrige National Award, ist auch Europa mit dem European Excellence Award mit von der Partie. Dieser soll den Qualitätsgedanken in Europa fördern und wird seit 1992 durch die European Foundation for Quality Management vergeben. Die Vergabe erfolgt in verschiedenen Kategorien in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße.

Deutsche Organisationen und Unternehmen haben noch eine weitere Chance auf nationaler Ebene: Der seit 1997 von der Initiative Ludwig Erhard Preis e.V.  (ILEP) vergebene Ludwig-Erhard-Preis gilt als der älteste deutsche Excellence-Preis. Dieser wird nach intensivem Bewertungsprozess auf Basis der „Levels of Excellence“ der EFQM an Organisationen vergeben, die sich durch ein ganzheitliches Managementsystem und den nachhaltigen Erfolg ihrer Geschäftstätigkeit auszeichnen.

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