Schöne, neue VUKA-Welt?

Oft lese oder höre ich, dass wir heute in einer VUKA-Welt leben: Eine Welt ohne feste Regeln, in der im Grunde alles möglich ist. Doch was bedeutet das eigentlich – für uns, die Wirtschaft und unsere Prozesse? Und was hat die von vielen Unternehmen proklamierte Agilität damit zu tun? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Zunächst einmal zum Begriff selbst: Das Akronym VUKA entstand schon in den 1990er Jahren und steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Auf den ersten Blick mag es schwer fallen, diese Bestandteile in einen Zusammenhang zu bringen, zumal sie schon selbststehend schwer zu greifen sind. Und im Grunde ist das auch der Kern des Ganzen: In der VUKA-Welt ist nichts vorhersehbar und doch gleichzeitig alles möglich; alles hängt miteinander zusammen. Schauen wir uns die einzelnen Bestandteile einmal genauer an:

  • Volatilität: Sie bezeichnet das Ausmaß von Schwankungen innerhalb einer Zeitspanne, sei es im Hinblick auf die Preisentwicklung, Zinssätze o.ä. Volatilität beschreibt daher einen Zustand der Ungewissheit; niemand weiß, wie sich Werte entwickeln werden.
  • Unsicherheit: Dieser Begriff ist fester Bestandteil unseres Sprachgebrauchs und erklärt sich quasi von selbst. Unsicherheit beschreibt einen Zustand, der von Unklarheit, mangelnder Kenntnis und auch von Risiko geprägt ist. Die Welt entwickelt sich immer schneller weiter, daher sind wir auch immer unsicherer, was uns erwartet und welche Paradigmen gerade gelten.
  • Komplexität: Vielschichtigkeit, viele voneinander abhängige Merkmale und eine Vielfalt von Verhaltensmöglichkeiten der einzelnen Elemente – der Begriff Komplexität ist, nun ja, komplexer als man denkt. Komplexität wird durch die Anzahl und Art der Merkmale und ihrer Beziehung zu- sowie untereinander bestimmt. Komplexe Prozesse zeichnen sich durch ihre Eigendynamik und eine gewisse Intransparenz aus, die es Entscheidern quasi unmöglich macht, stets eine exakte Prognose zu stellen. Zusammenhänge können nicht mehr in einfachen Ursache-Wirkungs-Mechanismen erklärt werden – Nebenwirkungen und Überraschungen sind also vorprogrammiert.
  • Ambiguität: Ambiguität ist die Mehr- oder Doppeldeutigkeit eines Sachverhalts oder einer Situation, in der Betroffene keine konkrete Vorstellung von den Wahrscheinlichkeiten möglicher Ereignisse haben. Ambiguität besteht bereits dann, wenn diese Wahrscheinlichkeiten subjektiv abgeschätzt werden müssen. Daher tritt sie auch häufiger in wirtschaftlichen Entscheidungssituationen auf.

Nicht nur Problem, sondern auch Lösung

Betrachtet man die einzelnen Bestandteile, fällt schnell eine Gemeinsamkeit auf: VUKA wird bestimmt von Unklarheit, und zwar darüber, was in unserer vernetzten Welt und im Hinblick auf konkrete Entscheidungen zu tun ist. Kein Wunder also, dass sie oft im Zusammenhang mit den Herausforderungen der Digitalisierung und der digitalen Transformation ganzer Geschäftsprozesse genannt wird.

Das soll aber nicht bedeuten, dass VUKA nur eine pessimistische Beschreibung der schwierigen Rahmenbedingungen und unseres Kontrollverlustes ist. Im Gegenteil: Eine VUKA-Strategie kann sogar hilfreiche Handlungsempfehlungen bieten – in diesem Fall steht die Abkürzung für Vision, Understanding, Klarheit und Agilität. Eins vielleicht vorweg: Ohne Investitionen in den Aufbau digitaler Kompetenzen ist die Umsetzung der folgenden Punkte kaum realistisch.

  • Vision: Ziele bieten einem Unternehmen Orientierung, auch oder vor allem in unsicheren Umfeldern. Diese Ziele sollten darauf einzahlen, wofür das Unternehmen bei seinen Kunden stehen will. Ob man das Ganze nun Vision oder Mission nennt, ist zweitrangig.
  • Understanding: In unsicheren, dynamischen Umgebungen funktionieren alte Handlungsmuster womöglich nicht mehr, auch wenn diese sich bisher bewährt haben. Die moderne Arbeit lebt von guter Zusammenarbeit – intern unter den Mitarbeitern, aber auch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg. Das müssen moderne Unternehmen verstehen, um sich langfristig erfolgreich auszurichten.
  • Klarheit: Fehlende Klarheit erkennt man beispielsweise daran, dass Entscheider notwendige Veränderungen oder den digitalen Wandel mit der VUKA-Welt begründen. Vielmehr müssen sich Unternehmen aber darüber klar werden, warum diese Veränderungen passieren und – vor allem – welchen Nutzen diese haben. „Aktion statt Reaktion“ kann hier zu einem wichtigen Leitsatz werden.
  • Agilität: Durch die Begriffe, aus denen sich VUKA zusammensetzt, wird bereits klar, dass es schwierig sein kann, in einem wechselhaften Umfeld vorausschauend zu planen. Die Welt und die Wirtschaft verändern sich; bewährte Prozesse müssen unter Umständen von Grund auf überdacht werden. Daher ist es besonders wichtig, die Vision des Unternehmens agil auf Veränderungen ausrichten zu können. Agile Projekt- und Arbeitsmethoden bedeuten iterative Intervalle und diese führen wiederum dazu, dass Unsicherheiten minimiert werden.

VUKA als Chance sehen

Die VUKA-Welt steht oft synonym für die Dynamik in der Wirtschaft, häufig getrieben durch die Digitalisierung. Es ist ein Versuch, unsere vernetzte Welt mit all ihren Herausforderungen zu beschreiben. Allerdings müssen Unternehmen individuell festlegen, welche Herausforderungen, aber auch Chancen sich wirklich ergeben. Dann erkennen sie die Möglichkeiten, das eigene Unternehmen gezielt und strategisch weiterzuentwickeln. Digitale Plattformen sowie Geschäftsmodelle, automatisierte Prozesse und eine gute Vernetzung mit den Geschäftspartnern – all das kann Unternehmen in der VUKA-Welt dabei helfen, sich bestmöglich an den dynamischen, digitalen Märkten zu behaupten.

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