Qualitätsmanagement 4.0 - Verbindungen schaffen

Viele reden von Industrie 4.0, doch nur Wenige lassen Taten folgen. Ein weltweit führendes Unternehmen von elektrischen Industriesteckvorrichtungen wagte den ersten Schritt – mit der Einführung einer durchgängigen CAQ-Software.

„Einen guten Riecher für neue Trends und Märkte“, das bescheinigen Experten der Firma Mennekes auch noch rund 80 Jahre nach deren Gründung. In der jüngst von der Wirtschaftswoche herausgegebenen Rangliste der Top-20-Marken der Hidden Champions in Deutschland kommt das Familienunternehmen aus dem Sauerland auf einen beachtlichen 14. Platz. Der Mittelständler ist in der dritten Generation erfolgreich und einer der weltweit führenden Anbieter von Industriesteckvorrichtungen sowie Ladesystemen für Elektrofahrzeuge. Rund 1.000 Mitarbeiter zeichnen sich verantwortlich für ein Portfolio aus über 15.000 Produkten. Steckdosen, Stecker und Schutzkontaktvorrichtungen gehören dabei ebenso zum Sortiment wie kundenspezifische Steckdosenkombinationen.

Klare Ansage

Angesichts kontinuierlich steigender Anforderungen, aber auch in Hinblick auf das rasante Unternehmenswachstum plante man die schrittweise Modernisierung des Qualitätsmanagementsystems. Die Einführung der QM-Software BabtecQ sollte dabei nicht Pflichtübung sein, sondern grundsätzlich zu einem verbesserten Managementsystem beitragen. Die Verantwortlichen wollten die Chance nutzen, auch bestehende Prozesse zu hinterfragen und mit den gewachsenen Möglichkeiten zu verbessern. Das Projekt Computer-aided-quality-assurance (CAQ) sollte ganzheitlich und als ein erster Schritt in Richtung Industrie 4.0 verstanden werden. Ebenso sollte die Software dazu beitragen, bekannte, aber nicht durchgängig genutzte Methoden besser zu etablieren.

Genauer prüfen

Im Rahmen der Implementierung wurden alle prüfungsbezogenen Dokumente überdacht und an die Potenziale der Software angepasst. Über 8.000 Prüfpläne wurden im Wareneingang, in der Fertigung und im Warenausgang gesichtet, inhaltlich überarbeitet und digitalisiert. Absolut wird bei Mennekes heute zwar zeitaufwändiger geprüft, die Ergebnisse sind jedoch deutlich genauer geworden. Das übergeordnete Ziel ist es, aus der Transparenz der Ergebnisse Optimierungsmaßnahmen abzuleiten, um die Qualitätskosten langfristig kleinzuhalten. Die Ersparnis rechtfertigt den Extra-Aufwand deutlich und führte zu einer breiten Akzeptanz der Software im Unternehmen.

Methoden etablieren

Auch Methoden, die zuvor nur hin und wieder Anwendung fanden, haben Einzug in das QM-System erhalten. Die statistische Prozessregelung (SPC) beispielsweise sorgt dank regelmäßiger und zeitgesteuerter Prozessprüfungen mit Prüffrequenzüberwachung oder stückzahlgesteuerter Prüfungen für genauere und detaillierte Prüfergebnisse. Mit Hilfe von Schulungen in Methodik und Bedienung hat man auf diesem Gebiet eine Grundlage geschaffen, die man sich ohne die Software nicht erarbeitet hätte. Gleiches gilt für die Qualitätsvorausplanung, wo mit Einführung des Moduls für die Fehler-Möglichkeits- und Einfluss-Analyse (FMEA) diese Methode einen festen Platz in den Prozessen gefunden hat. Das FMEA-Modul ist heute direkt mit den im weiteren Prozess benötigten Modulen Control-Plan und Prüfplanung verknüpft und sorgt für einen deutlich schlankeren Ablauf als zuvor.

Wichtiger Schritt in Richtung Industrie 4.0

Die Einführung der Babtec-Software markiert für Mennekes einen Meilenstein auf dem Weg zur Industrie 4.0. Die konkreten Nutzen im Bereich Qualitätsmanagement zeigen, wie sich die Systematisierung von Daten, die Vernetzung von Software und Maschinen sowie die schrittweise Modernisierung bestehender Prozesse positiv auf das gesamte Managementsystem auswirken. Eingesparte Zeit kann auf diese Weise mit gleichbleibenden Ressourcen wieder für die wirklich wichtigen Dinge genutzt werden. Genauer prüfen, besser dokumentieren und am Ende vor allem eines: hundertprozentige Qualität abliefern.

Der Autor

Julian Löhr

Julian Löhr ist im Qualitätsmanagement bei Mennekes tätig. Als CAQ-Administrator koordiniert der gebürtige Sauerländer den Einsatz der Software BabtecQ am Stammsitz in Kirchhundem. 

Die Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG ist ein weltweit führender Hersteller von elektrischen Industriesteckvorrichtungen. Mit seinem zur Norm gewordenen Ladestecker für Elektrofahrzeuge gehört das Unternehmen zu den Pionieren der Elektromobilität. Rund 1.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 130 Millionen Euro (2014).

 

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