Hochkompetent: ISO-Revision beeinflusst Q-Berufe

Mit der revidierten ISO 9001 ändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. „Kompetenz“ lautet der zentrale Terminus, formale Qualifikation reicht nicht mehr aus. Damit die wesentlichen QM-Aufgaben auch weiterhin erfüllt werden, braucht es standardisierte Nachweise.

Hinter der Kompetenz-Forderung der revidierten Norm ISO 9001 steht die Erkenntnis, dass ein Managementsystem nur unter bestimmten Voraussetzungen wirksam sein kann. Entsprechend muss eine Bestandsaufnahme des für die Erfüllung der Aufgaben erforderlichen Wissens erfolgen. Ebenso müssen die zur Implementierung des Managementsystems erforderlichen Aufgaben festgestellt und bestimmten Funktionen zugewiesen sein. Es muss gewährleistet sein, dass die mit der Wahrnehmung der Aufgaben beauftragten Personen die geforderte Kompetenz tatsächlich besitzen.

Für Firmenchefs genügt es nicht mehr, einen Beauftragten der obersten Leitung formal zu benennen und die Umsetzung des Systems zu delegieren. Im Gegenteil, sie stehen jetzt selbst stärker in der Verantwortung. Denn gefordert ist ein dokumentierter Nachweis der Kompetenz der betroffenen Mitarbeiter. Darüber hinaus werden Maßnahmen zum Kompetenzerwerb verlangt, etwa geeignete Schulung und Ausbildung. Damit wird ein hoher Anspruch manifestiert, der deutlich über die bisherigen Standards hinausgeht.

Die neuen Forderungen umsetzen

In Zusammenarbeit mit der European Organization for Quality (EOQ) analysiert die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) regelmäßig die für die Implementierung, Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung eines Managementsystems notwendigen Aufgaben. Sie ergeben sich teils direkt, teils indirekt aus den Forderungen der QM-Norm sowie aus Marktanalysen und den Rückmeldungen von Mitarbeitern, die als Fachpersonal für das Qualitätsmanagement zuständig sind.

Parallel zur Entwicklung der ISO 9001:2015 haben DGQ und EOQ die Änderungen von Aufgaben und Tätigkeiten analysiert und die entsprechenden normativen Dokumente aktualisiert. Damit ist sichergestellt, dass die Weiterbildung und Zertifizierung von Qualitäts- und Managementfachpersonal auf der Basis der Zertifizierungsprogramme von DGQ und EOQ wesentliche Forderungen an die (Teil-)Kompetenzen abdeckt.

Neue Aufgaben und verbleibende Schwerpunkte

Die mit der Implementierung und dem Betreiben eines Managementsystems einhergehenden Aufgaben sind nicht grundsätzlich neu. Jedoch verschieben sich einzelne Schwerpunkte und es kommen neue Aspekte hinzu. So müssen Unternehmen mit einem nach ISO 9001 zertifizierten Managementsystem jetzt die Chancen und Risiken analysieren, bewerten und berücksichtigen.

Der Kontext der Organisation und sein Einfluss auf die Organisationsentwicklung muss verstanden und berücksichtigt werden. Vor allem soll künftig die Weiterentwicklung des Managementsystems gefördert werden, und zwar unter Berücksichtigung von Verbesserung, Innovation, Change und Organisationswissen. Als wesentliche Aufgaben verbleiben weiterhin, rechtliche und sonstige normative systemrelevante Forderungen zu erkennen und deren Umsetzung im Unternehmen sicherzustellen.

Hinzu kommen Schwerpunkte wie Prozessmanagement, kundenspezifische Forderungen zu erkennen und deren Bewertung und Umsetzung innerhalb des Unternehmens zu koordinieren. Weiterhin wird gefordert, die Kundeninteressen fortlaufend zu analysieren und sie innerhalb des Unternehmens zu vertreten und umzusetzen. Gleichzeitig muss die Unternehmensleitung bei Führungsaufgaben und der Wahrnehmung ihrer Verantwortung für das Managementsystem unterstützt werden.

Das heißt, interne Audits müssen geplant und durchgeführt sowie Auditprogramme erstellt und überwacht werden. Auch müssen Neuerungen und Änderungen mit Relevanz für das Managementsystem kommuniziert und Mitarbeiter diesbezüglich beraten werden. Diese Aufgaben dienen dazu, über das QM-System die Kundenzufriedenheit sicherzustellen, und zu gewährleisten, dass konforme Produkte und Dienstleistungen als Beitrag zum nachhaltigen Geschäftserfolg der Organisation geliefert werden.

Staatlich und international anerkannte Kompetenznachweise

Aus den analysierten und für das Managementsystem notwendigen Aufgaben und Tätigkeiten hat die DGQ aktualisierte Job- und Kompetenzprofile abgeleitet. Diesen wurden über geeignete Zertifizierungsprogramme definierte Zertifikate zugeordnet. Somit können Organisationen oder die handelnden Personen erkennen, welches Profil ihrem speziellen Aufgabenzuschnitt am nächsten kommt.

Die Jobprofile bilden jeweils die Basis für das Ableiten von Soll-Kompetenzen, die Entwicklung eines Bildungsangebots für Fachpersonal im Qualitätsmanagement und Auditoren sowie die Definition geeigneter Kompetenzprüfungen und -nachweise. Sie sind im EOQ-Zertifizierungsprogramm Competence Specification/Certification Scheme (COS/CS 9000) beschrieben, das auch die fachliche Grundlage für die Akkreditierung der DGQ-Personenzertifizierungsstelle darstellt.

Bereits zum Jahreswechsel 2014 auf 2015 ist die Akkreditierung der DGQ-Personenzertifizierungsstelle auf der Basis von COS/CS 9000 erneuert worden. Somit sind die entsprechenden DGQ-Zertifikate sowohl staatlich als auch international über die EOQ anerkannt. Die EOQ-Quality-Auditor-Zertifikate sind zudem seit 2014 von der weltweit agierenden International Personnel Certification Association (IPC) anerkannt und mit IPC-Logo versehen.

Kompetente Mitarbeiter auf allen Ebenen

Auf Basis der ISO 9001:2015 muss die verantwortliche Leitung jeder Organisation sicherstellen, dass sie das QM-System wirksam umsetzt und die festgelegten Ziele und geplanten Ergebnisse erreicht. Dazu muss sie die erforderlichen Ressourcen bereitstellen und kompetente Mitarbeiter auf allen Unternehmensebenen mit den damit zusammenhängenden Aufgaben betrauen.

Explizit genannt ist die Notwendigkeit, Verantwortlichkeiten und Befugnisse festzulegen. Das soll gewährleisten, dass das QM-System die Forderungen der ISO 9001 erfüllt, die Prozesse die beabsichtigten Ergebnisse liefern, das Berichtswesen über das QM-System funktioniert, die Kundenorientierung in der Organisation gefördert wird und bei Änderungen die Integrität des Systems erhalten bleibt. Firmenchefs können die geforderten Fähigkeiten ihres QM-Fachpersonals und ihrer Auditoren künftig über standardisierte Personenzertifikate nachweisen und damit auch auf dem Papier auf hochkompetente Mitarbeiter zurückgreifen.

Der Autor

Dipl.-Ing. Christoph Pienkoß

Christoph Pienkoß ist seit Herbst 2015 neuer Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). Zuvor leitete er den Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung und entwickelte maßgeblich den Bereich der internationalen Zusammenarbeit. Als Liebhaber mittelalterlicher Baukunst ist der gebürtige Düsseldorfer Mitgründer und Vorsitzender des Vereins Europäische Route der Backsteingotik.

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